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Ausbildung - Pro und Contra
Eine Ausbildung hat sowohl Vorteile als auch einige Nachteile.

Ausbildung - Pro und Contra

Ausbildung oder Studium? Nach dem Abitur stehen dir viele Türen offen. Doch wann lohnt sich eine Ausbildung? Welche Argumente sprechen gegen eine Lehre? Und was hat es mit dem Spruch „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ eigentlich auf sich?

von Agnes Sieland

Allgemeines zur Ausbildung

Wenn du in Deutschland auf den Begriff „Ausbildung“ stößt, ist damit meist die betriebliche Ausbildung gemeint. Kennzeichnend für eine betriebliche Ausbildung ist, dass du sowohl im Betrieb als an der Berufsschule den jeweiligen Beruf erlernst. Daher wird die betriebliche Ausbildung oft auch als duale Ausbildung bezeichnet. In der Regel dauert eine duale Ausbildung zwei bis dreieinhalb Jahre.

Mit dem Wort „Ausbildung“ kann auch eine schulische Ausbildung gemeint sein. Diese findet, wie der Name schon sagt, überwiegend in der Schule statt. Sie dauert in der Regel ein bis dreieinhalb Jahre. Der praktische Anteil wird in Form von Praktikumsphasen ergänzt. 

Vorteile Ausbildung

Hoher Praxisanteil und Berufserfahrung

Ganz klar: Wer sich für eine Ausbildung nach dem Abitur entscheidet, entscheidet sich gegen die Theorie und für die Praxis. Im Gegensatz zu einem Studium besticht die Ausbildung durch einen hohen Praxisanteil. Abgesehen vom Besuch der Berufsschule, die ein bis zweimal Mal wöchentlich ansteht, wird keine weitere schulische Leistung verlangt. Alles, was du lernst, wendest du auch konkret an. Unabhängig von der Ausbildungsbranche, lernst du konsequent von Anfang an alles, was du für deinen späteren Beruf brauchst. Du steigst sozusagen direkt von der Schule in den Beruf ein, sammelst wertvolle Berufserfahrung und stehst mit beiden Beinen im richtigen (Berufs-)Leben.

Finanzielle Unabhängigkeit und persönliche Entwicklung

Hinzu kommt die finanzielle Unabhängigkeit, die du durch deine Ausbildung gewinnst. Wenn du ein Studium aufnimmst, kommen diverse Kosten auf dich zu, für die du in Vorkasse gehen musst. So fallen im Studium Ausgaben für Lernmaterialien, Mietkosten, Lebensmittel, Studienbeiträge etc. an. Mehr dazu findest du unter „Finanzen im Studium". In der Ausbildung ist das anders: Ab deinem ersten Ausbildungstag verdienst du dein eigenes Geld, das du beispielsweise für ein eigenes Auto ausgeben kannst. Wenn du während deiner dualen Ausbildung bei deinen Eltern wohnst, kannst du das Geld auch beiseite legen und sparen.

Neben dieser finanziellen Unabhängigkeit entwickelst du dich während deiner Lehre auch persönlich und beruflich enorm weiter. Du lernst, wie du korrekt mit Kollegen und Kolleginnen sowie Vorgesetzten umgehst, stressige Situationen meisterst und Schritt für Schritt mehr Verantwortung übernimmst.

Übernahme

Apropos Übernahme: Auszubildende haben meist gute Chancen, nach ihrer Lehrzeit vom Betrieb übernommen zu werden! Wenn deine Leistungen und deine Motivation stimmen, steht dir ein sicherer Arbeitsplatz offen. Unternehmen investieren eine Menge Geld, Zeit und Erfahrung in ihre Auszubildenden und sind froh, wenn diese nach ihrem Abschluss weiterhin arbeiten wollen. Und auch wenn dein Unternehmen dich nicht übernehmen will bzw. kann, beispielsweise weil keine freien Stellen offen sind, so ist der Übergang von einer Ausbildung in den Beruf oft günstiger als bei einem Studienabschluss. Du bringst viele fachliche Kenntnisse mit, sodass du von Arbeitgebern schnell voll eingesetzt werden kannst. Das ist ein großer Vorteil gegenüber Studienabsolventen.

Weiterbildungsmöglichkeiten

Insgesamt gibt es rund 350 anerkannte Ausbildungsberufe in Deutschland. Beliebte Branchen sind vor allem Computer- und Telekommunikation, Tourismus und Event, Logistik, Wirtschaft und Finanzen, Sport und Wellness, Bauen und Wohnen, Technik und Forschung, Recht sowie Kunst, Gestaltung und Medien. Innerhalb dieser Ausbildungsbranchen hast du die Möglichkeit, Zusatzqualifikationen zu erwerben. Wenn du beispielsweise ein Sprach- oder Computerzertifikat absolvieren oder dir Kenntnisse in der Betriebswirtschaftslehre aneignen willst, ist dies eine Zusatzqualifikation. Diese werden vom Betrieb selbst, deiner Berufsschule oder von der Handels- und Handwerkskammer angeboten. Auch andere Bildungsträger bieten Zusatzqualifikationen für Auszubildende an. Mit deinem Arbeitgeber kannst du abklären, ob du eine Qualifikation ablegen kannst und inwieweit er dich dabei (finanziell) unterstützt.

Nach Abschluss deiner Ausbildung hast du ebenfalls die Möglichkeit, dich weiter zu qualifizieren. Je nach Branche kannst du einen Betriebswirt machen oder einen Meisterbrief erwerben.

Studium nach der Ausbildung

Du würdest nach deiner Ausbildung gerne studieren? Nach deiner Lehre kannst du natürlich ein Studium dranhängen. Während deiner Ausbildungszeit, die mit knapp drei Jahren überschaubar ist, sammelst du wertvolle Wartesemester, die dir angerechnet werden. Ein Beispiel: Du würdest gerne Tiermedizin studieren, dein NC reicht aber nicht ganz aus? Wenn du zunächst eine Ausbildung zum Tierarzthelfer machst, sammelst du wertvolle Wartesemester. Diese werden bei deiner Bewerbung vollständig berücksichtigt. Gleichzeitig erwirbst du Berufserfahrung, die sich sicher als nützlich erweisen wird.

Zudem wird die Ausbildung oft von Arbeitgebern als willkommene Ergänzung zum Studium gesehen. Firmen stellen gerne Studienabsolventen ein, die auch eine Ausbildung gemacht haben, da diese sowohl Praxiserfahrung als auch theoretisches Hintergrundwissen vorweisen.

Nachteile Ausbildung

Schlechtere Bezahlung und weniger Aufstiegschancen

Doch auch das Gegenteil kann eintreten: Obwohl du eine Ausbildung absolviert hast und Berufserfahrung vorweisen kannst, kann es passieren, dass du keinen passenden Job oder nur eine schlechtbezahlte Anstellung findest. Zum Teil haben Firmen sehr hohe Anforderungen an ihre Bewerber und bevorzugen Studienabsolventen. Die Arbeitslosenquote bei Nicht-Akademikern ist daher wesentlich höher als bei Akademikern.

Des Weiteren verdienen Ausbildungs-Absolventen meist weniger, was sich auch bei Gehaltsverhandlungen bemerkbar macht. Obwohl eventuell die gleiche Leistung erbracht wird, werden so ehemalige Auszubildende schlechter bezahlt als ihre Kollegen. In der Regel sind auch die Karriere- und Aufstiegschancen für Nicht-Akademiker limitiert. Wer eine höhere Position anstrebt und gerne Führungsaufgaben übernehmen will, hat mit einem Studium bessere Karten. Dies gilt auch, wenn du später einmal den Beruf wechseln möchtest. Mit einer Ausbildung ist es oftmals schwieriger, einen Fuß in einen anderen Beruf zu setzen und damit der Karriere einen anderen Schwerpunkt zu geben.

Weniger Freiheiten

Sowieso, wer gerne lernt, wissenschaftlich arbeiten will und sich beruflich ausprobieren möchte, sollte sich für ein Studium entscheiden. Während der Ausbildung gilt das Motto: „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“. Das bedeutet, dass du die Anweisungen deiner Vorgesetzten befolgen musst und wenig(er) Spielraum für eigene Kreativität hast. Dies ist natürlich abhängig von deiner Firma und der Branche, in der du arbeitest – meistens lernst du eine ganze Menge von deinen Kollegen und Vorgesetzen. Dennoch ist es so, dass du weniger Freiheiten genießt als während eines Studiums.

Entscheidest du dich für eine Lehre, so wirst du von Anfang an fest von deinem Betrieb eingeplant. Die Umstellung von der Schulzeit in die Arbeitswelt kann ein ziemlicher Schock und sehr anstrengend sein, wenn du auf einmal eine 40-Stunden-Woche hast. Meist gibt es dabei keine Schonfrist.

Du willst gerne ins Ausland? In einigen Unternehmen ist es durchaus üblich, dass Auszubildende auf Geschäftsreise oder für eine Zusatzqualifikation ins Ausland gehen dürfen – viel von der Kultur und dem Leben im fremden Land wirst du aber nicht mitbekommen. Im Gegensatz zu einem Auslandsaufenthalt während des Studiums hast du während deiner Lehrzeit nicht die Möglichkeit, umfassende Auslandserfahrungen zu sammeln.

Fazit - Was du beachten solltest

Eine Ausbildung bringt viele Vorteile mit sich. Das liegt klar auf der Hand. Finanzielle Unabhängigkeit, Praxiserfahrung, Übernahmechancen … doch es sprechen auch einige Dinge gegen eine Ausbildung: Weniger Freiheiten, keine bzw. nur wenige Möglichkeiten ins Ausland zu gehen, weniger Aufstiegschancen im späteren Beruf, eventuell weniger Verdienst …

Wichtig bei deiner Wahl ist vor allem, was du dir für dich selbst besser vorstellen kannst. Bist du eher der Theoretiker, der gerne wissenschaftlich arbeiten will? Oder willst du lieber schnell unabhängig werden und eigenes Geld verdienen? Als weitere Hilfestellung findest du im Text „Studium – Pro und Contra“ die Vor- und Nachteile eines Studiums zusammengefasst. Wenn du das Pro und Contra einer Ausbildung vs. eines Studiums gegenüberstellst, findest du sicher eine Antwort auf die Frage: Was stelle ich mir für mein späteres Berufsleben vor?



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