Die hohe Kunst des Aufschiebens

Prokrastination

Seit zwei Wochen steht der Termin für deine morgige Klausur fest und du hattest dir eigentlich vorgenommen, fleißig jeden Nachmittag zu lernen. Jetzt ist es abends und du hast immer noch nichts gemacht. Dafür hast du aber endlich alle leeren Wasserflaschen aus deinem Zimmer geschafft, mal wieder richtig gründlich gesaugt, deinen Schreibtisch aufgeräumt und sogar den Monitor deines Laptops abgestaubt? Dann befindest du dich gerade in einer aktiven Phase des Prokastinierens.

Prokrastination - Was du heute kannst besorgen, geht problemlos auch noch morgen

Prokrastination bedeutet im Wesentlichen, Dinge aufzuschieben oder zu vertagen. Es ist ganz normal, eine Aufgaben oder andere Dinge, die erledigt werden müssen, ab und zu aufzuschieben. Die Besonderheit der Prokrastination, oder auch Aufschieberitis, liegt jedoch darin, dass es sich um ein wiederkehrend ausweichendes Verhaltensmuster handelt. Es ist sozusagen chronisch.

Was bedeutet das konkret? Statt Wichtiges zu erledigen, ziehst du es immer wieder vor, Angenehmeres, Spannenderes oder auch Einfacheres zu tun. Dein schlechtes Gewissen wird durch Scheinproduktivität in anderen Lebensbereichen beruhigt.

Vielleicht hast du dich selbst einmal dabei erwischt, wie du dich um etwas Dringendes gedrückt und dafür an anderer Stelle plötzlich sehr viel Zeit und Energie investierst hast? Aufräumen statt Lernen ist hier ein klassisches Beispiel. Wie gelähmt sitzt du vor den Notizen und spürst den Druck des näher rückenden Klausurtermins. Doch statt anzufangen, suchst du dir ein anderes Ventil. Das Ganze machst du dann schließlich bis zu dem Zeitpunkt, an dem du keine Wahl mehr hast und noch schnell irgendetwas für deine Klausur tust. Bis zu diesem Moment ist dann meist viel wertvolle Zeit vergangen und sicher bereust du deine Entscheidung, erst so spät mit der Paukerei angefangen zu haben.

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Wie du Prokrastination beim Lernen erkennst

Eine große Schwierigkeit beim Aufschieben ist, dass es häufig in vollem Bewusstsein geschieht. Du weißt ganz genau, dass du nun Lernen solltest. Stattdessen sitzt du vor dem Fernsehen, am Computer oder verbringst anders deine Zeit. Das ist ein sehr deutliches Zeichen für akutes Aufschieben.

Wie du mit deiner Prokrastination letztlich umgehen willst, hängt natürlich von dir ab. Manche können nur unter Druck besonders gut arbeiten. Andere machen sich selbst Vorwürfe, dass sie nicht genug Willenskraft zum Anfangen besitzen. Das hat wiederrum ein schlechtes Gewissen zur Folge und kann sogar Selbstvorwürfe mit sich bringen.  

Egal, wo du dich wiederfindest: In beiden Fällen kann die Aufschieberei beim Lernen negative Folgen haben. Beispielsweise kann es passieren, dass du am Tag deiner Prüfung sehr müde bist und dich schlecht konzentrieren kannst, weil du auf dem letzten Drücker bis spät in die Nacht gelernt hast. Oder dass du vor lauter Vorwürfen, gar nicht richtig zum Lernen gekommen bist. Gerade Selbstvorwürfe legen sich wie ein langer Schatten auf die nächste Lernphase und werden es dir immer schwieriger machen, mit dem Lernen rechtzeitig anzufangen. Um Stresssituationen zu vermeiden, solltest du  dein  Verhalten daher künftig ändern.

Aller Anfang ist schwer

Frage dich selbst, ob du Situationen des bewussten Aufschiebens erlebt hast und wie du mit dringenden Aufgaben umgehst. Wenn du merkst, dass du häufiger ausweichend reagierst, kannst du bereits mit etwas Selbstbeobachtung und kleinen Kniffen dein Verhalten positiv beeinflussen. Sobald du erkennst, dass du von Prokrastination betroffen bist, hast du bereits den ersten Schritt in die richtige Richtung getan.

Was kann ich dagegen tun?

Natürlich denkt sich jeder: „Nächstes Mal mache ich das ganz anders und fange früher an!“. Häufig passiert aber genau das Gegenteil - du verfällst in alte Muster und schiebst weiterhin Sachen auf. Im Grunde schiebst du deine Aufschieberei auf: Den Vorsatz, alles anders zu machen, lässt du im Sande verlaufen.

Doch, wie wirst du mit Prokrastination fertig? Stell dir selbst nicht die große und sehr schwammige Herausforderung „besser zu werden“. Sinnvoller ist es, in vielen kleinen Schritten das angewöhnte Verhalten zu ändern. Das kann ganz unterschiedlich aussehen. Wenn du Probleme beim Lernen hast, versuche das große Ganze in kleine Portionen zu teilen, die du dir auf mehrere Tage verteilst. Du kannst beispielsweise einen groben Lernplan erstellen und jeden Tag eine halbe Stunde für die nächste Prüfung lernen. Ein gutes Zeitmanagement kann hier Wunder bewirken!

Nach getaner Arbeit belohnst du dich. Beispielsweise mit einem Besuch bei Freunden, einem guten Essen oder der neuen Folge deiner Lieblingsserie. Du kannst dich auch einer Lerngruppe anschließen, die sich täglich trifft und dich so zusätzlich zum Pauken motiviert. Ebenfalls hilfreich ist es, wenn du dir bewusst machst, was für ein Lerntyp du eigentlich bist. Lernst du besser durch Wiederholungen? Musst du dich beim Lernen bewegen? Je nachdem, was dir mehr liegt, hat das Einfluss darauf, wie gut und effizient du lernst.

Prokrastination in anderen Lebensbereichen

Prokrastination kann in allen Lebensbereichen vorkommen, nicht nur beim Lernen. Die Methode des „Aufteilens“ kannst du immer anwenden. Nehmen wir an, du willst seit längerem endlich ordentlicher werden. Ein großer Putzplan und lange To-Do-Listen werden dich schnell frustrieren. Stattdessen nimmst du dir Kleines vor, etwa am Morgen nach dem Aufstehen das Bett zu machen. Mehr nicht. Es sind zwar nur Kleinigkeiten, aber es sind kleine Erfolge gegen deine Prokrastination.

Danach kannst du dich langsam steigern. Du wirst merken, dass dir die Tätigkeiten, die dich zuvor zum Prokrastinieren veranlasst hätten, immer leichter von der Hand gehen. Die größte Hürde dabei ist und bleibt allerdings das Anfangen. Der Wille zur Änderung deiner kontraproduktiven Routinen ist dabei dein bester Verbündeter: Deswegen mach am besten nicht morgen, sondern genau jetzt dein Bett ordentlich, geh eine Runde um den Block oder nimm dir eine kleine Portion deiner Notizen zum Lernen zur Hand.

Tipp für Studierende: Viele Hochschulen haben das Problem Prokrastination bei ihren Studierenden erkannt und bemühen sich mit verschiedensten Projekten wie einer „Langen Nacht der Hausarbeiten“ oder der „Prokrastinations-Ambulanz“ Betroffenen zu helfen. Im vertrauten Kreis kannst du hier die erste Hürde nehmen und das Anfangen lernen.

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